Überblick

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Land

Deutschland

Art der Organisation

Sozialunternehmen / Nachhaltigkeitsorientiertes Unternehmen

Anzahl der Angestellten

ungefähr 17

Practice-Kategorie

Best

Investitionsniveau

Mittel bis Hoch

Art der Aktivität

Produktdesign aus Abfallmaterial

Stichworte

Recycling / Wiederverwendung / Abfallentsorgung

Zusammenfassung

Wildplastic ist ein deutsches Sozialunternehmen, das Plastikmüll aus der Umwelt sammelt, vor allem in Ländern mit schlechtem Abfallmanagement, und ihn in 100 % recycelte und recycelbare Verpackungsprodukte umwandelt. Ziel ist es, die Plastikverschmutzung zu reduzieren, den CO₂-Ausstoß zu senken und die Arbeitsbedingungen der Müllsammler zu verbessern.

Das Unternehmen arbeitet mit lokalen Partnern in Ländern wie Indien, Indonesien und Haiti zusammen, um „wildes Plastik“ von Mülldeponien, Stränden und offenen Müllkippen zu sammeln. Dieser Abfall ist vor Ort oft nicht recycelbar und würde sonst in der Umwelt verbleiben. Wildplastic stellt sicher, dass die Sammler fair bezahlt werden und unter ethischen Bedingungen arbeiten.

Hintergrund und Herkunft

Wildplastic wurde 2019 in Hamburg von einer Gruppe von Unternehmern, darunter Christian Raddatz, Gesa Biermann und Jasper Gabrielsen, gegründet. Die Idee entstand aus der Erkenntnis, dass Millionen Tonnen Plastikmüll, insbesondere in Ländern ohne funktionierende Abfallwirtschaftssysteme, nicht recycelt werden. Wildplastic nimmt sich dieses „wilde Plastik“, also den in der Umwelt vorkommenden Plastikmüll, vor und führt ihn zurück in den Recyclingkreislauf. Im ersten Jahr begann das Unternehmen mit der Zusammenarbeit mit lokalen Abfallsammelorganisationen in Indien, Indonesien und Haiti, wobei der Schwerpunkt auf ethischer Beschaffung und fairer Bezahlung lag.

Im Jahr 2021 brachte Wildplastic sein erstes Produkt auf den Markt: eine Versandtasche aus 100 % recyceltem Kunststoff, der aus in diesen Regionen gesammelten und in Europa verarbeiteten Kunststoffen hergestellt wird. Das Team ist auf rund 15 Mitarbeiter angewachsen und arbeitet nach einem Verantwortungseigentumsmodell. Dadurch wird sichergestellt, dass der Unternehmenszweck im Mittelpunkt steht und Gewinne reinvestiert werden. Wildplastic arbeitet mit namhaften Unternehmen wie OTTO und Hermes zusammen und hat 2022 sein Transparenztool WILDTRACKER eingeführt.

Relevanz für das Handwerk

Der Ansatz von Wildplastic ist für die Handwerksbranche von großer Bedeutung, da er sich auf Materialwiederverwendung, ethische Produktion und nachhaltiges Design konzentriert. Durch die Umwandlung von gesammeltem Plastikmüll in neue, funktionale Produkte zeigt Wildplastic, wie weggeworfene Materialien kreativ und verantwortungsvoll wiederverwendet werden können – Grundwerte, die viele Handwerker teilen. Ihr Modell ermutigt Kleinproduzenten und Designer, die Materialbeschaffung zu überdenken, und bietet Inspiration für die Integration von recyceltem Kunststoff in handgefertigte oder Kleinserienprodukte.

Dies entspricht der wachsenden Verbrauchernachfrage nach umweltbewussten Produkten und unterstützt die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in der handwerklichen Produktion.

Materialfokus – Art des betroffenen Abfallmaterials

Wildplastic konzentriert sich auf aus der Umwelt gesammelte Plastikabfälle, insbesondere:

  • Polyethylen niedriger Dichte (LDPE) – wird häufig in Plastiktüten und Folienverpackungen verwendet.
  • Polyethylen hoher Dichte (HDPE) – findet sich in Flaschen, Behältern und anderen langlebigen Verpackungen.
  • Polypropylen (PP) – wird in verschiedenen Konsumgütern und Verpackungsmaterialien verwendet.

Dieses „wilde Plastik“ stammt von Mülldeponien, Straßen, Stränden und nicht verwalteten Mülldeponien in Ländern ohne wirksame Abfallwirtschaftssysteme.

Der gesammelte Kunststoff wird dann gereinigt, verarbeitet und in 100 % recycelte, wiederverwertbare Produkte umgewandelt.

Zielgruppen

  • Geschäftskunden (B2B).
  • Umweltbewusste Verbraucher und Unterstützer.
  • Abfallsammler.

Beteiligte Akteure

  • Lokale Müllsammler und NGOs: Engagieren Sie sich beim Sammeln von wildem Plastik und sorgen Sie für faire Arbeitsbedingungen.
  • Geschäftspartner: Unternehmen wie OTTO und Hermes kooperieren mit Wildplastic für nachhaltige Verpackungslösungen.
  • Verbraucher: Kaufen Sie Produkte aus recyceltem Wildplastik und unterstützen Sie die Initiative.

Beteiligte Fachkräfte und ihre Rollen

  • Produktdesigner.
  • Supply Chain Manager.
  • Softwareentwickler.
  • Kommunikations- und Marketingspezialisten.
  • Impact-Partner.
  • Nachhaltigkeitsbeauftragte.

Verbindung der Praxis mit den im Projekt ermittelten
Bedürfnissen

Wissen über Abfallstoffe

Wildplastic beweist umfassende Materialkompetenz durch die Identifizierung, Beschaffung und Verarbeitung verschiedener Kunststoffabfälle (z. B. LDPE, HDPE, PP). Die Arbeit zeigt, wie man verwertbare Kunststoffarten unterscheidet, ihre Qualität beurteilt und sie in neue Rohstoffe umwandelt – Wissen, das für nachhaltige Handwerks- und Produktionspraktiken unerlässlich ist.

Grüne unternehmerische Fähigkeiten

Als zielorientiertes Unternehmen verkörpert Wildplastic grünes Unternehmertum. Es verbindet Umweltverträglichkeit mit einem tragfähigen Geschäftsmodell, ethischer Beschaffung und Produktentwicklung. Der Ansatz vermittelt, wie man ein nachhaltiges Unternehmen gründet und ausbaut: Aufbau von Lieferketten, Einbindung von Stakeholdern, Einflussmanagement und Herstellung von Produkten aus recycelten Rohstoffen – alles wichtige Fähigkeiten für aufstrebende Öko-Unternehmer im Handwerkssektor.

Kreativität und innovative
Lösungen

Wildplastic wandelt Abfall in Wertstoffe um – durch innovatives Produktdesign (z. B. klimaneutrale Versandtaschen), transparente Tracking-Tools wie den WILDTRACKER und Partnerschaften mit großen Einzelhändlern. Ihre lösungsorientierte Denkweise beweist, wie Umweltherausforderungen funktionale, marktreife und skalierbare Innovationen inspirieren können. Lernende lernen, verantwortungsvoll zu gestalten und gleichzeitig reale Bedürfnisse zu erfüllen.

Methodischer Ansatz zur Umsetzung der Praxis

Prozessbeschreibung – Schritt-für-Schritt-Anleitung zur
Umsetzung der Praxis

Kurze Implementierungsschritte

  1. Wählen Sie Kunststoffabfälle (z. B. LDPE, HDPE).
  2. Arbeiten Sie mit ethischen Sammlern im Ausland zusammen.
  3. Sammeln und transportieren Sie den Kunststoff.
  4. Recyceln Sie ihn zu Granulat.
  5. Stellen Sie neue Produkte her (z. B. Taschen).
  6. Fügen Sie Rückverfolgbarkeit hinzu (z. B. QR-Tool).
  7. Verkaufen Sie die Produkte an Unternehmen.
  8. Fördern Sie das Produkt und bauen Sie das Geschäft aus.

Benötigte Ressourcen

  • WILDTRACKER – ein digitales Tool zur Verfolgung der Herkunft und des Weges von recyceltem Kunststoff.
  • Produktlinien – 100 % recycelte Versandtaschen und Polybeutel.
  • Partnerschaftsmodelle – Vorlagen für die B2B-Zusammenarbeit (z. B. mit OTTO, Hermes).
  • Lehrreiche Inhalte – Blogbeiträge und Wirkungsberichte, die das Recycling von Kunststoffen und die ethische Beschaffung erklären.

Endprodukt

Wiederverwendbare, zu 100 % recycelte und recycelbare Versandtaschen und Polybeutel aus in nicht verwalteten Umgebungen gesammeltem Kunststoffabfall, konzipiert für nachhaltige Verpackungen im E-Commerce und Einzelhandel.

Finanzierungsquellen für diese Intervention

  • Anschubfinanzierung durch die IFB Hamburg.
  • Kredite der GLS Bank.
  • Investitionen von Purpose Ventures und anderen Impact-Investoren.

Innovation, Verwendung neuartiger Methoden oder Technologien

  • WILDTRACKER: Ein digitales Tool, das den Weg des Kunststoffs von der Sammlung bis zum Produkt verfolgt und so Transparenz und Rechenschaftspflicht gewährleistet.
  • Beschaffung aus nicht verwalteten Abfallströmen: Sie sammeln Plastik direkt von Mülldeponien, Stränden und Straßen in Regionen ohne formelle Abfallsysteme – ein ungewöhnlicher, aber wirkungsvoller Ansatz.

Hindernisse und Herausforderungen

  • Inkonsistente Versorgung aus Regionen mit schlechter Infrastruktur.
  • Hohe Transportkosten für den Abfalltransport zu Recyclingunternehmen.
  • Fehlende Ausrichtung der Anleger auf langfristige Ziele.
  • Technische Herausforderungen bei der Verarbeitung von Mischkunststoffen.
  • Bedarf an Transparenz, gelöst durch die Schaffung von WILDTRACKER.

Weitere Schritte und Pläne für die Zukunft

WILDPLASTIC möchte seine Produktpalette erweitern, die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die nach nachhaltigen Verpackungslösungen suchen, intensivieren und seine Wirkung durch die Rückgewinnung von mehr Wildplastik und die Unterstützung zusätzlicher Abfallsammlergemeinschaften steigern.

Wichtige Auswirkungen – ökologisch, wirtschaftlich und sozial

Die wichtigsten Auswirkungen von Wildplastic sind ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur. Ökologisch gesehen entfernt es Plastikmüll aus der Natur, senkt CO₂-Emissionen und reduziert den Bedarf an neuem Plastik. Ökonomisch gesehen verwandelt es Abfall in marktfähige Produkte, unterstützt zirkuläre Geschäftsmodelle und generiert Einkommen. Sozial gesehen schafft es faire Arbeitsplätze für Abfallsammler, verbessert die Arbeitsbedingungen und baut ethische, integrative Lieferketten auf.

Qualitäten und Kriterien, um die Praxis als effektiv,
effizient, nachhaltig und übertragbar zu betrachten

Qualitäten

Wirksamkeit: Wie gut erreicht die Praxis ihre Ziele?

Die Praxis von WILDPLASTIC zeigt ihre Wirksamkeit, indem sie Plastikmüll in erheblichem Maße reduziert und ihn in wertvolle, vollständig recycelbare Produkte wie WILDBAGS umwandelt. Eine Lebenszyklusanalyse zeigt, dass ihre Produkte die CO₂-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Plastiktüten um bis zu 69 % reduzieren können.

Effizienz: Minimiert die Praxis den Ressourcenverbrauch und maximiert gleichzeitig die Ergebnisse?

In Bezug auf die Effizienz minimiert WILDPLASTIC den Ressourcenverbrauch durch die Verwendung von vorhandenem Kunststoffabfall und reduziert so den Bedarf an neuen Rohstoffen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Sammelorganisationen gewährleistet einen optimierten Prozess von der Abfallsammlung bis zur Produktherstellung.

Nachhaltigkeit: Trägt die Praxis zum Umweltschutz, zur sozialen Gleichheit und zur langfristigen Rentabilität bei?

WILDPLASTIC leistet einen Beitrag zum Umweltschutz, indem es Plastikmüll aus Ökosystemen entfernt und das Recycling fördert. In sozialer Hinsicht stärkt das Unternehmen marginalisierte Gruppen, indem es mit Müllsammlern in Ländern ohne formelle Abfallentsorgungssysteme zusammenarbeitet und ihnen faire Löhne und verbesserte Arbeitsbedingungen bietet.

Übertragbarkeit: Sind die Methoden auf andere Kontexte übertragbar?

Das Modell von WILDPLASTIC lässt sich an verschiedene Kontexte anpassen, insbesondere in Regionen mit erheblicher Plastikverschmutzung und informellen Abfallsammelsektoren. Ihr Ansatz, mit lokalen Organisationen zusammenzuarbeiten und gesammeltes Plastik in recycelbare Produkte zu integrieren, kann auch anderswo umgesetzt werden, sofern ähnliche Partnerschaften und Infrastrukturen vorhanden sind.

Erforderliche Kompetenzen für die Umsetzung von Best Practices

Zuordnung von Aktivitäten zu Kompetenzen

Zugeordnete Kompetenzen

Wissen

Kunststoffarten und Recyclingverfahren; nachhaltiges Produktdesign; ethische Beschaffung und Logistik; Markenkommunikation und Markenbotschafter.

Fähigkeiten

PKunststoffsortierung und -verarbeitung; Produktdesign und Softwarenutzung; Koordination und Verhandlung der Lieferkette; Erstellung von Inhalten und Öffentlichkeitsarbeit.

Einstellungen

Umweltbewusstsein, Kreativität, ethische Verantwortung und proaktives, nutzerorientiertes Denken.

Erforderlicher Schulungsbedarf für die Implementierung

Zu den Schulungsanforderungen gehören Kenntnisse im Kunststoffrecycling, Fähigkeiten in Verarbeitung und Design, Lieferkettenkoordination und Nachhaltigkeitskommunikation sowie ausgeprägte Teamfähigkeit und ethisches Bewusstsein.

Erkenntnisse

Der Aufbau eines nachhaltigen Kunststoffrecyclingmodells erfordert langfristiges Engagement, ethische Partnerschaften und transparente Kommunikation. Technische Herausforderungen und die Ausrichtung auf Investoren sind entscheidend. Innovationen, wie beispielsweise Rückverfolgbarkeitstools, stärken Vertrauen und Wirkung.

Verweise / Links